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LV & Ausschreibung10 min Lesezeit

Leistungsverzeichnis im Facility Management erstellen

Was gehört in ein FM-Leistungsverzeichnis?

Ein belastbares FM-Leistungsverzeichnis enthält mindestens:

  • Deckblatt mit Objekt, Vergabeverfahren, Vertragslaufzeit, Ansprechpartner, Vorlagefrist.
  • Objektstammdaten: Anschrift, BGF/NRF nach DIN 277, Baujahr, Nutzungsart.
  • Anlagenliste pro Gebäude: Anlagentyp (nach DIN 276 KG 400/500), Hersteller, Baujahr, Leistung/Kapazität, Standort.
  • Positionsblock je Gewerk: Wartung, Instandsetzung, Reinigung, Grün- und Winterdienst, Sicherheitsdienst usw.
  • Qualitätsanforderungen je Position (Niveau, Reaktionszeiten, Reporting).
  • Zusammenstellung mit Summen je Gewerk und Gesamtsumme.

Aufbau nach DIN 276 und VDMA 24186

Die Kostengliederung nach DIN 276 sortiert FM-Leistungen in Kostengruppen – für Ausschreibungen am wichtigsten:

Kostengruppe Inhalt
KG 410 Abwasser-, Wasser-, Gasanlagen
KG 420 Wärmeversorgungsanlagen
KG 430 Lufttechnische Anlagen
KG 440 Starkstromanlagen
KG 450 Fernmelde- und IT-Anlagen
KG 460 Förderanlagen (Aufzüge)
KG 470 Nutzungsspezifische Anlagen
KG 480 Gebäudeautomation
KG 500 Außenanlagen

Die VDMA 24186 liefert die passenden Wartungsinhalte je Anlagenart (Teile 0 bis 7, von Lufttechnik bis Aufzüge). Für jede Anlage wählen Sie das Qualitätsniveau N (Nennwartung) / M (Mittel) / H (Hoch) und übernehmen den Wartungstext in Ihre Position.

Schritt-für-Schritt zum normkonformen LV

  1. Anlagendaten einsammeln – idealerweise aus CAFM oder BIM, sonst aus Excel-Listen des Betreibers. Vollständigkeit prüfen (Anlagenart, Standort, Leistung, Baujahr).
  2. DIN-276-Zuordnung je Anlage – automatisch, wenn Anlagentyp und KG-Logik gepflegt sind; manuell bei Altdaten.
  3. Leistungsinhalte wählen – pro Anlage: Wartung (VDMA), Instandsetzung, Prüfpflichten (DGUV/VDE). Pauschalleistungen (z. B. Hausmeister) über Einsätze/Jahr × Stunden/Einsatz × Stundensatz.
  4. Qualitätsniveau festlegen je Gewerk oder je Portfolio-Klasse (A/B/C-Gebäude).
  5. Nebenleistungen separat ausweisen: Anfahrt, Dokumentation, Betriebsbuch, 24/7-Hotline.
  6. SLA definieren: Reaktionszeiten je Priorität, Verfügbarkeitsziele, Berichtswesen.
  7. Preisblatt bauen: EP × Menge je Position, Zusammenstellung je Gewerk und Gesamt.

Checkliste: typische Fehler vermeiden

  • Anlagenliste vollständig und mit DIN-276-KG beschriftet?
  • Wartungstexte aus aktueller VDMA 24186 (nicht aus 2008er-Vorlage)?
  • Intervall einheitlich formuliert (immer “pro Jahr” statt gemischt)?
  • Nebenleistungen (Anfahrt, Entsorgung) separat?
  • Reaktionszeiten je Priorität verbindlich?
  • Freimengen für Störeinsätze inkl. Preis darüber hinaus?
  • Nachweise/Dokumentationspflichten pro Position?
  • Zusammenstellung summiert vollständig?

Wie Software dabei hilft

Manuell ist die Erstellung eines FM-LVs für ein mittelgroßes Portfolio (10–20 Gebäude) ein Projekt von 4–8 Wochen. Mit KI-gestützter Automatisierung – Anlagenlisten einlesen, DIN-276-Zuordnung automatisch, normkonforme Wartungstexte aus der Bibliothek – reduziert sich der Aufwand auf wenige Stunden Vor- und Nachbereitung. Entscheidend ist dabei: Die Textbibliothek muss aktuell und vom Normstand gepflegt sein; und das System muss die Besonderheiten der Qualitätsniveaus abbilden können.

Häufige Fragen

Die wichtigsten Fragen zu diesem Thema in Kurzform.

Was ist der Unterschied zwischen Leistungsverzeichnis (LV) und Leistungsbeschreibung (LB)?+

Die Leistungsbeschreibung beschreibt das 'Was' und 'Wie' in Fließtext – Qualitätsziele, Rahmenbedingungen, Prüfpflichten. Das Leistungsverzeichnis bricht diese Anforderungen in einzelne, kalkulierbare Positionen mit Menge, Einheit und Preis herunter. Beide Dokumente gehören zu einer FM-Ausschreibung – meist LB als Word-Dokument, LV als Excel.

Welche Normen sind für ein FM-Leistungsverzeichnis relevant?+

Für die Kostengliederung DIN 276, für technische Wartungsinhalte VDMA 24186 (Teile 0–7), für infrastrukturelle Services GEFMA 200/720. Je nach Gewerk ergänzend: VDI 6022 (RLT-Hygiene), DGUV-Vorschriften (Prüfpflichten), DIN 77400 (Reinigungsdienstleistungen Schulgebäude).

Welche Pflichtangaben gehören in jede LV-Position?+

Ordnungszahl, Positionstext mit Leistungsumfang, Menge und Einheit, Intervall oder Häufigkeit pro Jahr, Qualitätsniveau (N/M/H bzw. A/B/C), Nachweise/Dokumentationspflichten. Preis- und Summenzeile werden vom Bieter ausgefüllt.

Wie granular sollten LV-Positionen sein?+

So granular, dass Bieter kalkulieren und Sie Angebote vergleichen können, aber nicht so kleinteilig, dass das LV unübersichtlich wird. Als Faustregel: eine Position pro Anlagentyp × Leistungsart (z. B. 'RLT-Anlage Wartung nach VDMA 24186-1 M' – nicht 20 Einzelschritte je Anlage).

Was sind typische Fehler in FM-Leistungsverzeichnissen?+

Unvollständige Anlagenlisten, fehlende DIN-276-Zuordnung, nicht-normkonforme Wartungstexte aus veralteten Bibliotheken, uneinheitliche Intervalle (monatlich vs. 12 × jährlich), vergessene Nebenleistungen (Anfahrt, Entsorgung, Dokumentation), fehlende SLA-Definitionen und keine Freimengen für Störeinsätze.

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