Glossar
Glossar: Fachbegriffe für FM-Ausschreibungen.
Kurzdefinitionen zu Normen, Prüfpflichten, Strategie- und KI-Begriffen aus dem Alltag der FM-Ausschreibung – jeweils in zwei bis vier Sätzen.
Compliance & Prüfpflichten
- Betreiberverantwortung
- Rechtliche Pflicht des Immobilienbetreibers für die sichere Nutzung von Gebäude und Anlagen. Delegierbar, nicht abtretbar – der Betreiber bleibt haftbar auch bei vollständigem FM-Outsourcing.
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- Deutsche Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln. Regelt die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung und die Prüfung überwachungsbedürftiger Anlagen.
- DGUV Vorschrift 3
- Berufsgenossenschaftliche Vorschrift zur Prüfung ortsveränderlicher und ortsfester elektrischer Betriebsmittel. Prüfintervalle 6–24 Monate je nach Umgebung und Art der Anlage.
- Prüfpflicht
- Gesetzlich oder normativ vorgeschriebene wiederholte Prüfung einer Anlage. Beispiele: DGUV V3 für Elektro, VDI 6022 für RLT, BetrSichV für Aufzüge. Fristen aus Gefährdungsbeurteilung oder DGUV-Information 203-071.
- Zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS)
- Unabhängige Prüfstelle (z. B. TÜV, DEKRA) für überwachungsbedürftige Anlagen nach BetrSichV. Prüft Aufzüge, Druckgeräte, Explosionsschutzanlagen in festgelegten Intervallen.
auch: Pflichtenübertragung
auch: BetrSichV
auch: DGUV V3, BGV A3
auch: Wiederkehrende Prüfung
auch: ZÜS
Strategie & Business Case
- Business Case
- Wirtschaftliche Bewertung mehrerer Ausschreibungsvarianten. Berechnet Jahres- und Lebenszykluskosten mit Bandbreiten (P10–P90) und Barwerten über den Betrachtungszeitraum.
- Instandhaltungsstrategie
- Festlegung, wie Anlagen instand gehalten werden: reaktiv (Störfall), intervallbasiert (fest), zustandsorientiert (Sensorik) oder risikobasiert (RCM). Im Tender Agent per Kundenprofil pro Anlagenart gesteuert.
- Kundenprofil
- Im Tender Agent voreingestellter Strategietyp: Pflicht und Kosten (Minimal), Werterhalt (Standard), Verfügbarkeit (kritische Anlagen), Datengetrieben (mit Sensorik). Steuert Instandhaltungsart und Qualitätsniveau automatisch.
- Lebenszykluskosten (LCC)
- Summe aller Kosten einer Anlage oder eines Gebäudes über die Nutzungsdauer: Investition, Betrieb, Instandhaltung, Energie, Rückbau. Grundlage für Business-Case-Vergleiche.
auch: Wirtschaftlichkeitsvergleich
auch: IH-Strategie, Wartungsstrategie
auch: Strategie-Profil
auch: LCC, LZK, TCO
Daten & IT
- CAFM
- Softwaregestützte Verwaltung von Gebäuden und Anlagen. Hält Anlagenstamm, Prüffristen, Störungen und Wartungen vor. Oft Quelle für die Anlagenliste in FM-Ausschreibungen.
- Datenlage-Score
- Kennzahl 0–100 % im Tender Agent, die die Vollständigkeit der Stammdaten eines Gebäudes bewertet (Typ, Klasse, BGF, Baujahr, Räume, Anlagen, Dokumente). Grundlage für belastbare Business Cases.
auch: Computer Aided Facility Management
auch: Datenqualitätsindex
Normen
- DIN 276
- Deutsche Norm zur Kostengliederung im Bauwesen. Teilt Baukosten und Anlagen in Kostengruppen (KG 100–800). Für das FM besonders relevant: KG 400 (technische Gebäudeausrüstung) und KG 500 (Außenanlagen).
- DIN 277
- Deutsche Norm zu Grundflächen und Rauminhalten im Bauwesen. Definiert BGF (Brutto-Grundfläche), NRF (Netto-Raumfläche) und NUF (Nutzungsfläche) als Bezugsgrößen für FM-Kennwerte.
- DIN 77400
- Deutsche Norm für Reinigungsdienstleistungen in Gebäuden. Teile 1 (Grundsätze) und 10 (Winterdienst) sind für FM-Ausschreibungen zentral. Definiert Qualitätsstufen A/B/C.
- GEFMA 200 / 520 / 720
- Richtlinien der Deutschen GEFMA (German Facility Management Association). 200: Kosten im FM; 520: Ausschreibung von FM-Leistungen; 720: Qualitätsmodelle.
- Kostengruppe 400 (KG 400)
- Kostengruppe nach DIN 276: technische Gebäudeausrüstung. Umfasst Sanitär (KG 410), Heizung (KG 420), Lufttechnik (KG 430), Elektro (KG 440), IT (KG 450), Förderanlagen (KG 460), nutzungsspezifische Anlagen (KG 470), Gebäudeautomation (KG 480).
- Kostengruppe 500 (KG 500)
- Kostengruppe nach DIN 276: Außenanlagen. Pflegeleistungen für Grünflächen (KG 570), Wegeflächen und Winterdienst (KG 580), Wasserflächen (KG 560) und Außentechnik (KG 540).
- Qualitätsniveau (N / M / H)
- Dreistufige Qualitätseinteilung in der VDMA 24186. N = Nennwartung (gesetzliches Minimum), M = Mittel (Standard für Büro und Wohnbau), H = Hoch (Rechenzentrum, Klinik, kritische Prozesse).
- VDI 6022
- VDI-Richtlinie zur Hygiene an raumlufttechnischen Anlagen. Regelt Pflichtinspektionen (Kategorie A alle 2 Jahre, Kategorie B jährlich) und Qualifikation der Prüfer.
- VDMA 24186
- Siebenteilige deutsche Richtlinie für Wartungsleistungen an gebäudetechnischen Anlagen (Teile 0–7). Definiert Qualitätsniveaus N (Nennwartung), M (Mittel) und H (Hoch).
auch: Kostengruppen, KG 400
auch: BGF, NUF, NRF
auch: Reinigungsdienstleistungen
auch: GEFMA
auch: KG 400
auch: KG 500
auch: Niveau N, Niveau M, Niveau H
auch: Hygieneinspektion RLT
auch: Wartungsrichtlinie, VDMA
Ausschreibung & LV
- Freimenge
- Vorgehaltene Menge an Störeinsätzen pro Jahr, die ohne Einzelbeauftragung abgerufen werden kann. Über die Freimenge hinaus wird nach Stundensatz abgerechnet. Reduziert Verwaltungsaufwand bei kleinen Störungen.
- IFM / TFM
- Zwei Hauptdisziplinen im Facility Management. IFM (infrastrukturell): Reinigung, Grünpflege, Sicherheit, Empfang. TFM (technisch): Wartung technischer Anlagen (RLT, Elektro, Sanitär). Werden oft getrennt ausgeschrieben.
- Leistungsbeschreibung (LB)
- Fließtext-Dokument, das Qualitätsziele, Rahmenbedingungen, Prüfpflichten und SLAs einer FM-Ausschreibung beschreibt. Ergänzt das Leistungsverzeichnis; meist als Word-Dokument.
- Leistungsverzeichnis (LV)
- Tabellarische Aufstellung aller auszuschreibenden Leistungen in einzelnen, kalkulierbaren Positionen mit Menge, Einheit, Intervall und Preis. Im FM meist als Excel-Datei strukturiert nach DIN 276 und VDMA 24186.
- Leistungswert (m²/h)
- Fläche pro Zeiteinheit, die eine Reinigungskraft bewältigt. Grundlage der Kalkulation: Fläche × Intervalle / Leistungswert = Stunden/Jahr. Werte je Raumgruppe (Büro 250–400, Sanitär 80–120, Verkehrsflächen bis 600 m²/h).
- Pauschale vs. Abruf
- Zwei Vergütungsmodelle. Pauschale: fester Betrag pro Zeitraum, egal wie oft die Leistung erbracht wird. Abruf: Vergütung je Einsatz oder Stunde. Pauschale ist planbar, Abruf flexibel – im LV werden sie oft kombiniert.
- Rahmenvertrag
- Vertragsform, die wiederkehrende Leistungen über mehrere Jahre regelt. Im FM typisch für Mehrstandort-Verträge: einheitliches LV über das Portfolio, Vergabe für 3–5 Jahre mit Verlängerungsoptionen.
- Reaktionszeit
- Vertraglich zugesicherte Zeit zwischen Störungsmeldung und Beginn der Entstörung. Im FM typisch nach Priorität gestaffelt: P1 (akut) 2 h, P2 (dringend) 24 h, P3 (planbar) 5 Werktage.
- Service Level Agreement (SLA)
- Verbindliche Vereinbarung über Qualität und Verfügbarkeit einer Dienstleistung. Im FM-LV typischerweise mit Reaktionszeiten je Prioritätsstufe, Verfügbarkeitszielen und Berichtspflichten verankert.
auch: Störeinsatz-Pool
auch: Infrastrukturelles FM, Technisches FM
auch: LB
auch: LV, Positionsverzeichnis
auch: Reinigungswert
auch: Pauschalvertrag, Abrufvertrag
auch: FM-Rahmenvertrag
auch: Response Time
auch: SLA, Dienstgütevereinbarung
KI & RAG
- Retrieval Augmented Generation (RAG)
- KI-Architektur, bei der ein Sprachmodell nicht aus Modellwissen antwortet, sondern aus einer kuratierten Wissensdatenbank. Für FM-LVs essenziell, weil es Halluzinationen vermeidet und Normreferenzen überprüfbar macht.
auch: RAG